Unternehmensnachfolge 2026: Erstmals planen mehr Chefs die Stilllegung als Übergabe
Ein Satz, den man zweimal lesen muss: Unter den mittelständischen Unternehmen in Deutschland, deren Inhaber bis Ende 2029 ihren Rückzug planen, gibt es erstmals etwas mehr Stilllegungspläne als konkrete Nachfolgewünsche.
Das KfW-Nachfolge-Monitoring vom Januar 2026 beziffert die Gruppen so: Bis Ende 2029 streben rund 545.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge an. Rund 569.000 planen im selben Zeitraum eine Stilllegung. Wichtig ist die Unterscheidung: Das sind Absichten der befragten Inhaber, keine bereits vollzogenen Übergaben oder Schließungen.
Umgerechnet sind das rund 114.000 geplante Geschäftsaufgaben pro Jahr und rund 109.000 Nachfolgewünsche. Ob daraus tatsächlich eine Übergabe wird, hängt unter anderem davon ab, ob ein geeigneter Nachfolger gefunden wird und die Beteiligten sich auf Finanzierung, Kaufpreis und Bedingungen einigen.
Die Zahlen dieses Beitrags beziehen sich ausschließlich auf Deutschland. Rückschlüsse auf Österreich oder die Schweiz lassen sich daraus nicht ohne eigene Länderquellen ziehen.
Warum das Alter zum Problem wird
Der Grund liegt zuerst in der Demografie: 57 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber im Mittelstand waren 2025 mindestens 55 Jahre alt. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil laut KfW bei 20 Prozent. Wer bis Ende 2026 konkret übergeben will, ist im Durchschnitt bereits 66,5 Jahre alt.
Je später die Vorbereitung beginnt, desto weniger Zeit bleibt, um Schwächen im Betrieb zu beheben, Alternativen zu prüfen und einen geeigneten Nachfolger zu finden. Das kann die Handlungsmöglichkeiten des Verkäufers einschränken, erlaubt aber keine pauschale Aussage über einen später erzielbaren Kaufpreis.
In der IHK-Beratung: 2,4 abgabewillige Unternehmen je Interessent
Der DIHK-Report 2025 zeigt für die Beratungspraxis der Industrie- und Handelskammern: Insgesamt suchten 2,4-mal mehr abgabewillige Unternehmen die IHKs auf als Nachfolgeinteressenten. Im Gastgewerbe lag dieses Verhältnis bei mehr als 3:1, in Verkehr und Logistik bei 4:1. Diese Werte beschreiben die Kontakte in der IHK-Beratung; sie sind keine vollständige Statistik aller Verkaufsangebote und Käufer in Deutschland.
Gleichzeitig sind die Preisvorstellungen der Verkäufer gestiegen: Für Nachfolgen, die zwischen 2025 und 2029 geplant sind, schätzt die KfW den durchschnittlich angestrebten Kaufpreis auf 499.000 Euro. Der Median liegt bei 375.000 Euro. Das sind Selbsteinschätzungen beziehungsweise Preisvorstellungen der Inhaber – keine nachgewiesenen Verkaufspreise.
Inhaberabhängigkeit ist ein konkretes Käufer-Risiko
Unternehmensnachfolgen können an vielen Punkten scheitern: an fehlenden Kandidaten, unterschiedlichen Kaufpreisvorstellungen, Finanzierung, rechtlicher und steuerlicher Komplexität oder zu später Vorbereitung. Inhaberabhängigkeit ist nicht automatisch der Hauptgrund. Sie ist aber ein konkretes Risiko, wenn Fachwissen, Kundenbeziehungen und wichtige Entscheidungen ausschließlich an einer Person hängen.
Der DIHK-Report weist besonders bei Dienstleistungen auf dieses Problem hin: Persönliche Netzwerke, langjährige Kundenbeziehungen und maßgeschneidertes Wissen sind oft nur schwer zu übertragen. Ein Betrieb, in dem der Inhaber jeden Urlaub genehmigt und jedes Angebot gegenzeichnet, ist deshalb nicht wertlos. Für einen Käufer entstehen aber zusätzliche Unsicherheit und ein höherer Übergabeaufwand.
Bei 47 Prozent der Unternehmen mit geplanter Geschäftsaufgabe ist fehlendes Interesse in der Familie laut KfW ein mitentscheidender Grund. Das bedeutet nicht, dass alle diese Unternehmen bereits erfolglos nach einem externen Käufer gesucht haben. Es zeigt aber, warum eine familieninterne Übergabe nicht selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.
Was jetzt zu tun ist
Die DIHK empfiehlt, spätestens drei Jahre vor der gewünschten Übergabe mit konkreter Planung und Nachfolgersuche zu beginnen. Operativ sind insbesondere diese Punkte relevant:
- Abhängigkeiten sichtbar machen. Welche Kundenbeziehungen, Freigaben, Kalkulationen und Fachkenntnisse hängen ausschließlich am Inhaber oder an einzelnen Schlüsselpersonen?
- Abläufe und Wissen dokumentieren. Wiederkehrende Kernprozesse sollten für andere nachvollziehbar sein – in geeigneten Systemen, Arbeitsanweisungen und Verantwortlichkeiten.
- Zahlen belastbar aufbereiten. Jahresabschlüsse allein erklären noch nicht, welche Kunden, Leistungen und Aufträge tatsächlich zum Ergebnis beitragen. Dafür braucht es konsistente betriebliche Kennzahlen und nachvollziehbare Herleitungen.
- Verantwortung verteilen. Ein potenzieller Nachfolger muss erkennen können, welche Aufgaben das bestehende Team eigenständig trägt und wo nach der Übergabe Lücken entstehen würden.
- Spezialisten rechtzeitig einbinden. Unternehmensbewertung, Steuern, Gesellschaftsrecht, Finanzierung und Kaufvertrag gehören in die Hände entsprechend qualifizierter Berater.
Fazit
Die Zahlen zeigen einen zunehmenden Handlungsdruck, aber sie beweisen weder einen einheitlichen Käufermarkt noch einen sicheren Verkaufserfolg. Nicht jedes Unternehmen wird einen Nachfolger finden. Frühzeitige Vorbereitung kann jedoch vermeidbare Risiken reduzieren: unklare Zahlen, nicht dokumentiertes Wissen, einseitige Kundenabhängigkeiten und einen Betrieb, der ohne seinen Inhaber kaum entscheiden kann.
Das ist keine Garantie für einen bestimmten Firmenwert. Es schafft aber eine bessere Grundlage, damit Käufer, Familie oder Mitarbeitende den Betrieb überhaupt realistisch beurteilen und eine Übergabe planen können.
Quellen
- KfW Research, Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025, Fokus Nr. 526, 9. Januar 2026 kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokume...
- DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025 – Blick in die Branchen dihk.de/resource/blob/163346/47fae33cf70af4e3d36535f98fbdbd1...
Marius Jungmann
Entrepreneur, Investor und Consultant. Über 20 Jahre Erfahrung aus Banking, Vertrieb, Unternehmensaufbau und digitalen Systemen. Marius schreibt über Unternehmertum, Startups, KI, Technologie, Vertrieb und Märkte – aus eigener Praxis und mit klarer Meinung.
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